Ursula Ullrich-Jacobi

Elternhaus

Ursula Ullrich-Jacobi stammt ursprünglich aus Berlin, wo sie im großstädtisch-intellektuellen Künstlermilieu als Tochter des Komponisten und Hochschullehrers Wolfgang Jacobi und dessen Ehefrau Eveline behütet aufwächst. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus endet die glückliche Kindheit. Der Vater, ein „Halbjude“, wird mit Berufsverbot belegt, die Familie zieht 1934 ins italienische Malcesine an den Gardasee. Ursula Jacobi besucht dort die Volksschule. Doch schon ein Jahr später zwingt die Devisensperre die Familie zur Rückkehr nach Deutschland. Sie lässt sich in München nieder. Ursula Jacobi geht dort aufs Gymnasium, 1944 macht sie Abitur. Im letzten Kriegsjahr fällt 1944 ihr älterer Bruder. Mit der „Klassischen Moderne“ wird nach 1945 auch das Werk ihres Vaters Wolfgang Jacobi wiederentdeckt.

Frühes Talent

Schon in der Volksschule fällt das zeichnerische Talent von Ursula Jacobi auf. Im Alter von sechs Jahren zeichnet sie aus dem Gedächtnis treffsicher ihre Schulfreundinnen. „Wenn andere mit Puppen spielten, zeichnete und malte ich“, erinnert sie sich. Früh ist sie von Tieren fasziniert. Sie beobachtet Hühner, Katzen, Rinder oder Pferde und modelliert die Tiere in ruhigen oder lebhaften Bewegungen nach ihren Skizzen. Ihre künstlerische Begabung zeigt sich in der nur sieben Zentimeter hohen Kleinplastik „Wilder Hund“ von 1945, ein Werk von enormer Ausdruckskraft, das dem Betrachter die starker Erregtheit des Tieres vermittelt. Tiere und Kinder zählen auch später zu ihren  bevorzugten Sujets. An Tieren schätze sie das „Unverstellte, den reinen Ausdruck“, sagt sie. Das dürfte auch für Kinder gelten, die sich auch durch ihre Lebendigkeit und Unverstelltheit auszeichnen.

Ausbildung in München und Heirat

Das Talent der jungen Frau erkennt auch die Akademie der bildenden Künste in München. Ursula Jacobi gehört zu den acht neuen Akademiemitgliedern, die unter rund 100 Anwärtern ausgewählt worden waren. Sie studiert von 1946 bis 1952 bei Professor Josef Henselmann, der die Bildhauerklasse leitete und seine Schülerin nach allen Kräften förderte. Schon während des Studiums erhält Ursula Jacobi Preise und öffentliche Aufträge. An der Akademie lernt sie ihren späteren Mann kennen, den Maler und Grafiker Gunter Ullrich.  Die beiden heiraten 1952. Gunter Ullrich erhält in Aschaffenburg eine Stelle als Kunsterzieher an der damaligen Oberrealschule (heute Friedrich-Dessauer-Gymnasium). 1953 folgt sie ihm nach Aschaffenburg, wo das Paar bis heute lebt. 1955 wird Sohn Andreas geboren.

Ursula Ullrich-Jacobi, wie sie seit ihrer Hochzeit heißt, ist zwar Hausfrau und Mutter. Aber sie bleibt auch Künstlerin, die täglich im Atelier steht und in den folgenden Jahren zahlreiche öffentliche Aufträge – meist mit ihrem Mann – erhält. Gemeinsam realisieren sie das Kriegerdenkmal in Rothenbuch (1954 bis 1955) und die Bronzetüren und Türgriffe des Aschaffenburger Rathauses (1957 bis 1959). 1953 gestaltet Ursula Ullrich-Jacobi den Kreuzweg in Unterthal bei Hammelburg, 1971 das 1,50 Meter hohe Bronzerelief für das neue Fernmeldeamt in Bad Hersfeld. Ihre anmutige Bronzefigur die „Sinnende“ ziert seit 2003 die St. Germain-Terrasse nahe dem Pompejanum.

Einen Namen hat sich Ursula Ullrich-Jacobi auch mit ihren sensiblen und charaktervollen Tier-und Porträtplastiken aus Bronze und Terrakotta gemacht, in denen sie das Wesen beziehungsweise das Wesentliche von Mensch und Tier erfasst. Porträtiert hat sie unzählige Kinder und Erwachsene wie den Aschaffenburger Künstler-Kollegen Anton Bruder.


Ursula Ullrich-Jacobi bei der Arbeit im Schlosshof Aschaffenburg, 1945
Rathausprotal der Stadt Aschaffenburg, von Gunter Ullrich und Ursula Ullrich-Jacobi gestaltet, 1958, Bronze
Ursula Ullrich-Jacobi arbeitet mit ihrem Ehemann Gunter Ullrich im Atelier, 1985, Foto Klaus Eymann